Was ist ein BIM-Abwicklungsplan (BAP)?

Josef Molitor ·
BIM-Architekturplan auf verwittertem Ingenieurtisch neben Maßstabsmodell einer Kläranlage, Zirkel und Lineal, warmes Lampenlicht.

Ein BIM-Abwicklungsplan (BAP) ist ein projektspezifisches Dokument, das alle Vereinbarungen, Prozesse und Verantwortlichkeiten für die Umsetzung von Building Information Modeling in einem konkreten Bauprojekt festlegt. Er bildet die verbindliche Arbeitsgrundlage für alle am Projekt beteiligten Planungsbeteiligten und stellt sicher, dass BIM-Methoden einheitlich und zielgerichtet angewendet werden. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um den BAP.

Welche Inhalte muss ein BIM-Abwicklungsplan enthalten?

Ein BIM-Abwicklungsplan muss mindestens die Projektziele für den BIM-Einsatz, die Verantwortlichkeiten der Projektbeteiligten, die verwendeten Software- und Datenaustauschformate sowie die definierten Anwendungsfälle (sogenannte BIM-Anwendungsfälle) beschreiben. Darüber hinaus regelt er Qualitätssicherungsprozesse, Kommunikationswege und die Struktur der gemeinsamen Datenumgebung (CDE).

Im Einzelnen umfasst ein vollständiger BAP typischerweise folgende Bestandteile:

  • Projektbeschreibung und BIM-Ziele: Welche konkreten Mehrwerte soll BIM im Projekt erzeugen?
  • BIM-Anwendungsfälle: Zum Beispiel Kollisionsprüfung, Mengenermittlung oder Terminplanung auf Basis des Modells
  • Rollen und Verantwortlichkeiten: Wer übernimmt welche Aufgaben im BIM-Prozess?
  • Softwareanforderungen und Dateiformate: Festlegung auf IFC-Standards oder projektspezifische Formate
  • Modellstruktur und Namenskonventionen: Einheitliche Benennung von Dateien, Elementen und Attributen
  • Gemeinsame Datenumgebung (CDE): Welche Plattform wird genutzt, wie sind Zugriffsrechte geregelt?
  • Qualitätssicherung und Prüfprozesse: Wann und wie werden Modelle geprüft und freigegeben?
  • Kommunikations- und Koordinationsregeln: Besprechungsrhythmen, Eskalationswege, Berichtspflichten

Gerade in der Abwasserreinigung und kommunalen Infrastrukturplanung sind präzise Modellierungsanforderungen besonders wichtig, da unterirdische Leitungsnetze, Pumpwerke und Kläranlagenkomponenten eine hohe Koordinationstiefe erfordern.

Wer ist für die Erstellung des BAP verantwortlich?

Für die Erstellung des BIM-Abwicklungsplans ist in der Regel der BIM-Gesamtkoordinator verantwortlich, der auf Auftragnehmerseite die übergeordnete Steuerung des BIM-Prozesses übernimmt. Er erstellt den BAP auf Basis der Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und stimmt ihn mit allen Projektbeteiligten ab, bevor er vom Auftraggeber freigegeben wird.

In der Praxis ist die Verantwortung jedoch aufgeteilt. Der Auftraggeber definiert in der AIA seine Anforderungen und Erwartungen. Das planende Ingenieurbüro oder der BIM-Gesamtkoordinator übersetzt diese Vorgaben in einen konkreten, umsetzbaren Plan. Alle weiteren Fachplaner, Nachunternehmer und Lieferanten sind verpflichtet, ihre eigenen BIM-Leistungen entsprechend dem gültigen BAP zu erbringen.

Bei komplexen Projekten mit mehreren Fachplanern, etwa in der Stadtentwässerung, empfiehlt sich eine frühzeitige gemeinsame Erarbeitung des BAP in einem Kick-off-Workshop. So werden Missverständnisse zwischen den Disziplinen von Anfang an vermieden.

Was ist der Unterschied zwischen BAP und AIA?

Der wesentliche Unterschied liegt in der Perspektive: Die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) formulieren, was der Auftraggeber vom Projekt erwartet, während der BIM-Abwicklungsplan (BAP) beschreibt, wie das Auftragnehmerteam diese Anforderungen umsetzen wird. AIA und BAP sind also aufeinander aufbauende, sich ergänzende Dokumente.

Konkret bedeutet das:

  • AIA (Auftraggeber-Informationsanforderungen): Wird vom Auftraggeber erstellt, enthält Projektziele, gewünschte Informationstiefe (LOD/LOI), Abgabeformate und Nutzungsszenarien für das Modell
  • BAP (BIM-Abwicklungsplan): Wird vom Auftragnehmer auf Basis der AIA erstellt, enthält konkrete Prozesse, Zuständigkeiten, Softwarefestlegungen und Qualitätssicherungsmaßnahmen

Vereinfacht gesagt: Die AIA stellt die Fragen, der BAP liefert die Antworten. Ohne eine klare AIA kann kein belastbarer BAP entstehen. In der Ingenieurplanung, etwa bei BIM-Projekten im Bereich Wasserwirtschaft, ist diese Unterscheidung besonders relevant, weil Auftraggeber wie Kommunen oder Abwasserverbände oft sehr spezifische Anforderungen an Bestandsdokumentation und Betriebsdaten stellen.

Wann wird der BIM-Abwicklungsplan erstellt und aktualisiert?

Der BIM-Abwicklungsplan wird zu Beginn eines Projekts erstellt, idealerweise unmittelbar nach Auftragserteilung und vor dem Start der eigentlichen Planungsarbeit. Er ist ein lebendes Dokument und muss im Projektverlauf regelmäßig aktualisiert werden, wenn sich Projektumfang, Beteiligte oder technische Rahmenbedingungen ändern.

Typische Zeitpunkte für eine Überarbeitung des BAP sind:

  1. Abschluss der Vorplanungsphase und Übergang in die Entwurfsplanung
  2. Hinzukommen neuer Fachplaner oder Nachunternehmer
  3. Wechsel von Software oder Datenplattformen
  4. Änderungen an den Anforderungen des Auftraggebers
  5. Ergebnisse aus Qualitätsprüfungen, die Prozessanpassungen erfordern

Ein BAP, der nur einmal erstellt und danach nicht mehr gepflegt wird, verliert schnell seine Steuerungswirkung. Gerade bei langfristigen Infrastrukturprojekten, wie sie in der Abwasserwirtschaft häufig vorkommen, ist eine kontinuierliche Pflege des Dokuments entscheidend für den Projekterfolg.

Welche Normen und Standards gelten für den BAP?

Für den BIM-Abwicklungsplan gelten in Deutschland und Europa mehrere relevante Normen und Richtlinien. Die DIN EN ISO 19650 ist der zentrale internationale Standard für das Informationsmanagement im Bauwesen auf Basis von BIM und bildet den übergeordneten Rahmen für die Erstellung von AIA und BAP. Ergänzend dazu existieren nationale Leitfäden, etwa vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Weitere relevante Grundlagen sind:

  • DIN EN ISO 19650-1 und -2: Grundsätze und Prozesse für das Informationsmanagement im Projektverlauf
  • VDI 2552: Deutsche Richtlinienreihe zu BIM, unter anderem zu Begriffen, Rollen und Prozessen
  • BIM-Leitfaden des BMWSB: Orientierungshilfe für öffentliche Auftraggeber in Deutschland
  • HOAI und VOB: Leistungsbilder und Vergaberegeln, in deren Rahmen BIM-Leistungen zu verorten sind

Für Projekte in der öffentlichen Infrastruktur, insbesondere bei kommunalen Auftraggebern, orientieren sich BAP-Anforderungen zunehmend an den Vorgaben des Stufenplans Digitales Planen und Bauen. Es empfiehlt sich, den BAP stets auf die jeweils aktuell gültigen Normen zu prüfen, da sich die Standards im Bereich digitales Planen kontinuierlich weiterentwickeln.

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Wir bei atd GmbH begleiten Sie von der ersten Projektidee bis zur abgeschlossenen Umsetzung mit fundierter BIM-Kompetenz in der Abwasserwirtschaft und Ingenieurplanung. Als herstellerunabhängiges Ingenieurbüro entwickeln wir für Ihr Projekt einen maßgeschneiderten BIM-Abwicklungsplan, der Ihre spezifischen Anforderungen und die geltenden Normen zuverlässig abbildet.

Unsere Leistungen im Bereich BIM-Abwicklungsplanung umfassen:

  • Analyse Ihrer Auftraggeber-Informationsanforderungen und Ableitung eines projektspezifischen BAP
  • Definition von BIM-Anwendungsfällen für Kläranlagen, Kanalnetze, Pumpwerke und weitere Infrastrukturanlagen
  • Einrichtung und Betreuung der gemeinsamen Datenumgebung (CDE)
  • Koordination aller Fachplaner im BIM-Prozess sowie laufende Qualitätssicherung der Modelle
  • Regelmäßige Fortschreibung des BAP über den gesamten Projektverlauf

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