BIM-Pflicht in Deutschland — was gilt 2026?

Josef Molitor ·
BIM-Modell einer Kläranlage auf Monitor, technische Zeichnungen auf Zeichentisch, Schutzhelm und Ingenieurordner daneben.

Die BIM-Pflicht in Deutschland gilt ab 2026 für öffentliche Auftraggeber des Bundes bei Infrastrukturprojekten, insbesondere im Bereich Verkehr und Bundesbau. Seit dem Stufenplan des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen wird Building Information Modeling schrittweise zur Pflicht, wobei Bundesbehörden als Vorreiter fungieren. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um die BIM-Pflicht, Leistungsstufen und Auswirkungen auf das Ingenieurwesen.

Für wen gilt die BIM-Pflicht in Deutschland ab 2026?

Die BIM-Pflicht gilt in Deutschland ab 2026 vorrangig für öffentliche Auftraggeber auf Bundesebene. Das betrifft insbesondere die Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen sowie Hochbauprojekte des Bundes. Private Auftraggeber und Kommunen sind derzeit nicht bundesweit gesetzlich zur BIM-Anwendung verpflichtet, werden aber zunehmend durch Förderrichtlinien und Ausschreibungsbedingungen in diese Richtung gelenkt.

Der Stufenplan des Bundesbauministeriums sieht vor, dass BIM bei neu ausgeschriebenen Projekten des Bundes konsequent eingesetzt wird. Für Länder und Kommunen gibt es eigene Regelungen, die je nach Bundesland unterschiedlich weit fortgeschritten sind. Einige Bundesländer wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen haben eigene BIM-Strategien entwickelt und empfehlen oder fordern BIM bereits bei bestimmten Projekten aktiv.

Für Ingenieurbüros und Planungsunternehmen bedeutet das: Wer öffentliche Aufträge auf Bundesebene anstrebt, muss BIM-fähig sein. Die Anforderungen werden direkt in Leistungsverzeichnissen und Vergabeunterlagen verankert, sodass fehlende BIM-Kompetenz zum Ausschluss aus Vergabeverfahren führen kann.

Welche BIM-Leistungsstufen sind 2026 verpflichtend?

Verpflichtend ist 2026 in der Regel die sogenannte kleine BIM-Lösung, also BIM ohne vollständige Vernetzung aller Projektbeteiligten in einer gemeinsamen Datenumgebung. Konkret bedeutet das: Planungsleistungen werden modellbasiert erbracht, Informationen werden strukturiert übergeben, und Auftraggeber erhalten digitale Bauwerksmodelle als Teil der Planungsleistung.

In der Praxis unterscheidet man zwischen zwei Reifegraden:

  • Little BIM: BIM wird innerhalb eines einzelnen Planungsbüros eingesetzt, ohne durchgängige Vernetzung mit anderen Projektbeteiligten.
  • Big BIM: Alle Projektbeteiligten arbeiten in einer gemeinsamen Datenumgebung und tauschen Modelle über offene Schnittstellen wie IFC aus.

Die Bundesbehörden streben langfristig Big BIM an, akzeptieren aber derzeit noch Übergangslösungen. Entscheidend ist, dass Auftraggeber in den Auftragsunterlagen sogenannte Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) formulieren, die genau beschreiben, welche BIM-Leistungen erwartet werden. Planende müssen darauf mit einem BIM-Abwicklungsplan antworten.

Was ist der Unterschied zwischen BIM-Pflicht und BIM-Empfehlung?

Eine BIM-Pflicht bedeutet, dass der Auftraggeber BIM-Leistungen vertraglich vorschreibt und deren Fehlen zum Ausschluss oder zur Vertragsverletzung führt. Eine BIM-Empfehlung hingegen ist ein Hinweis auf Best Practice ohne rechtliche Verbindlichkeit. Der Unterschied liegt also in der Konsequenz bei Nichterfüllung.

In Deutschland ist die Unterscheidung besonders relevant, weil viele Bundesländer und Kommunen BIM bislang nur empfehlen, während der Bund es bei eigenen Projekten bereits vorschreibt. Für Ingenieurbüros ist es daher wichtig, bei jeder Ausschreibung genau zu prüfen, ob BIM als Pflicht oder Empfehlung formuliert ist.

Hinweise auf eine BIM-Pflicht finden sich in der Regel:

  • In den Vergabeunterlagen unter „besondere Vertragsbedingungen“
  • In den Leistungsbeschreibungen mit Verweis auf AIA-Dokumente
  • In Eignungskriterien, die BIM-Erfahrung oder -Zertifizierungen verlangen

Fehlen diese Elemente, handelt es sich meist um eine unverbindliche Empfehlung. Dennoch kann es strategisch sinnvoll sein, BIM auch dort einzusetzen, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Wie bereiten sich Ingenieurbüros auf die BIM-Pflicht vor?

Ingenieurbüros bereiten sich auf die BIM-Pflicht vor, indem sie in drei Kernbereichen handeln: Software und Infrastruktur, Mitarbeiterqualifikation und interne Prozesse. Wer frühzeitig investiert, kann BIM nicht nur als Pflicht erfüllen, sondern als echten Qualitätsvorteil nutzen.

Software und Datenumgebung

Der erste Schritt ist die Einführung geeigneter BIM-Autorenwerkzeuge wie Revit, Allplan oder ArchiCAD sowie einer gemeinsamen Datenumgebung (CDE) für den Datenaustausch. Wichtig ist dabei die Unterstützung offener Formate wie IFC, um die Zusammenarbeit mit anderen Projektbeteiligten zu gewährleisten.

Qualifikation und Prozesse

Mitarbeitende müssen in BIM-Methodik geschult werden. Das umfasst nicht nur den Umgang mit Software, sondern auch das Verständnis für modellbasiertes Arbeiten, die Erstellung von BIM-Abwicklungsplänen und die Koordination mit anderen Planungsdisziplinen. Intern sollten klare Prozesse definiert werden, wer welche Modelle erstellt, prüft und freigibt.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, erste Pilotprojekte zu definieren, an denen BIM-Abläufe erprobt werden, bevor die Methode flächendeckend eingesetzt wird. Fachverbände wie der VDI oder buildingSMART bieten hierfür Leitfäden und Zertifizierungsprogramme an.

Gilt die BIM-Pflicht auch für Abwasser- und Wasserwirtschaftsprojekte?

Ja, die BIM-Pflicht kann auch Abwasser- und Wasserwirtschaftsprojekte betreffen, wenn diese von öffentlichen Auftraggebern des Bundes finanziert oder beauftragt werden. Bundeswasserstraßen fallen beispielsweise direkt in den Geltungsbereich. Bei kommunalen Kläranlagen, Kanalsanierungen oder Regenwasserprojekten liegt die Entscheidung hingegen bei den jeweiligen Kommunen oder Zweckverbänden.

In der Praxis zeigt sich, dass BIM in der Wasserwirtschaft noch nicht so weit verbreitet ist wie im Hochbau oder Straßenbau. Die Komplexität unterirdischer Infrastruktur, die Vielzahl beteiligter Gewerke und die langen Nutzungsdauern machen BIM hier aber besonders wertvoll. Digitale Modelle ermöglichen eine bessere Bestandsdokumentation, erleichtern spätere Sanierungsplanungen und verbessern den Informationsaustausch zwischen Betreibern und Planenden.

Für Ingenieurbüros, die in der Abwasserreinigung oder Stadtentwässerung tätig sind, lohnt es sich daher, BIM-Kompetenzen frühzeitig aufzubauen, auch wenn die formale Pflicht noch nicht in jedem Projektsegment greift.

Wie atd GmbH Sie bei der BIM-Umsetzung unterstützt

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Unsere Leistungen im Bereich BIM umfassen:

  • Modellbasierte Planung für kommunale und industrielle Abwasserprojekte
  • Erstellung von BIM-Abwicklungsplänen entsprechend den Auftraggeber-Informationsanforderungen
  • Koordination aller Planungsdisziplinen in einer strukturierten Datenumgebung
  • Beratung zur BIM-Strategie für Kommunen, Zweckverbände und Industriekunden
  • Integration von BIM in bestehende Planungsprozesse für Kanalsanierung, Kläranlagen und Regenwasseranlagen

Ob Sie ein konkretes Projekt planen oder sich grundsätzlich über BIM-Anforderungen informieren möchten: Kontaktieren Sie uns, und wir besprechen gemeinsam, wie wir Ihre Planungsvorhaben optimal unterstützen können.

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