Klares Wasser fließt durch Labor-Bioreaktor mit phosphorentfernenden Bakterienkolonien als durchscheinende Biofilme

Wie funktioniert die biologische Phosphorelimination?

Die biologische Phosphorelimination ist ein natürliches Verfahren zur Entfernung von Phosphor aus Abwasser durch spezialisierte Mikroorganismen. Diese Bakterien nehmen Phosphat in anaeroben Phasen auf und speichern es als Polyphosphat in ihren Zellen. Das EBPR-Verfahren (Enhanced Biological Phosphorus Removal) reduziert Phosphorbelastungen in Gewässern ohne chemische Zusätze und unterstützt eine nachhaltige Abwasserreinigung.

Was ist biologische Phosphorelimination und warum ist sie wichtig?

Die biologische Phosphorelimination (Bio-P oder EBPR) nutzt spezielle Mikroorganismen zur natürlichen Entfernung von Phosphor aus Abwasser. Im Gegensatz zur chemischen Fällung mit Metallsalzen arbeitet dieses Verfahren ohne Zusatzstoffe und produziert phosphorreichen Klärschlamm, der als Dünger verwertbar ist.

Der Hauptunterschied zur chemischen Phosphatentfernung liegt im Wirkprinzip: Während chemische Verfahren Phosphor durch Fällung abscheiden, bauen Bakterien bei der biologischen Nährstoffelimination Phosphat aktiv in ihre Zellstruktur ein. Dies geschieht durch polyphosphatakkumulierende Organismen (PAO), die unter wechselnden Milieubedingungen große Mengen Phosphor aufnehmen.

Die Bedeutung für den Gewässerschutz ist erheblich: Phosphor wirkt als Nährstoff und kann zu Eutrophierung führen. Die Abwasserverordnung schreibt daher strenge Grenzwerte vor, die durch biologische Phosphorabwasserreinigung effektiv eingehalten werden können. Gleichzeitig unterstützt das Verfahren die Kreislaufwirtschaft, da der im Klärschlamm angereicherte Phosphor als Rohstoff zurückgewonnen werden kann.

Wie funktioniert der biologische Phosphorentfernungsprozess?

Das Bio-P-Verfahren basiert auf einem zweiphasigen Prozess mit anaeroben und aeroben Reaktionsbedingungen. In der anaeroben Phase nehmen PAO-Bakterien organische Substrate auf und setzen dabei gespeichertes Polyphosphat frei. In der aeroben Phase erfolgt die verstärkte Phosphataufnahme aus dem Abwasser.

Die biochemischen Abläufe sind komplex: Unter anaeroben Bedingungen verstoffwechseln die Mikroorganismen kurzkettige Fettsäuren und speichern diese als Polyhydroxyalkanoate (PHA). Die dafür benötigte Energie gewinnen sie durch den Abbau intrazellulär gespeicherter Polyphosphate. Dieser Vorgang setzt Phosphat ins Abwasser frei.

In der nachfolgenden aeroben Phase oxidieren die Bakterien die gespeicherten PHA und nutzen die freigesetzte Energie für Wachstum und verstärkte Phosphataufnahme. Dabei nehmen sie deutlich mehr Phosphor auf, als sie zuvor abgegeben haben. Die notwendigen Milieubedingungen umfassen einen Wechsel zwischen sauerstofffreien und sauerstoffreichen Bereichen sowie ausreichend verfügbare organische Substrate.

Welche Mikroorganismen sind für Bio-P verantwortlich?

Die PAO-Bakterien sind die Schlüsselorganismen der biologischen Phosphorelimination. Der wichtigste Bakterienstamm ist Candidatus Accumulibacter phosphatis, der in verschiedenen Kläranlagen weltweit nachgewiesen wurde. Diese Mikroorganismen zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, große Mengen Polyphosphat intrazellulär zu speichern.

Die Charakteristika der PAO umfassen ihre spezielle Stoffwechselphysiologie: Sie können unter anaeroben Bedingungen organische Säuren aufnehmen, ohne auf externe Elektronenakzeptoren angewiesen zu sein. Stattdessen nutzen sie ihre Polyphosphatreserven als Energiequelle. Weitere wichtige Stämme sind verschiedene Rhodocyclus-Arten und Tetrasphaera-Bakterien.

Eine kritische Herausforderung ist die Konkurrenz mit anderen Mikroorganismen, insbesondere den glykogenakkumulierenden Organismen (GAO). Diese konkurrieren um die gleichen Substrate, tragen aber nicht zur Phosphorentfernung bei. Optimale Wachstumsbedingungen für PAO umfassen Temperaturen zwischen 10 und 25 °C, einen pH-Wert von 6,5 bis 8,0 und ausreichend kurzkettige Fettsäuren als Kohlenstoffquelle.

Welche Anlagentechnik wird für die biologische Phosphorelimination benötigt?

Bio-P-Anlagen bestehen aus anaeroben und aeroben Reaktoren, die in einer spezifischen Konfiguration angeordnet sind. Der klassische Aufbau umfasst einen vorgeschalteten anaeroben Reaktor, gefolgt von aeroben Belebungsbecken und einem Nachklärbecken. Die Schlammrückführung erfolgt vom Nachklärbecken in den anaeroben Bereich.

Die technischen Anforderungen sind anspruchsvoll: Der anaerobe Reaktor muss vollständig sauerstofffrei betrieben werden, während die aeroben Stufen eine ausreichende Sauerstoffversorgung benötigen. Moderne Anlagen nutzen Redoxpotenzialmessungen zur Prozessüberwachung und automatische Regelungssysteme für optimale Betriebsbedingungen.

Die Integration in bestehende Kläranlagen ist oft möglich, erfordert jedoch bauliche Anpassungen. Vorhandene Belebungsbecken können durch den Einbau von Trennwänden in anaerobe und aerobe Zonen unterteilt werden. Die Steuerung und Regelung erfolgt über Mess- und Regeltechnik, die Sauerstoffgehalt, pH-Wert und Phosphatkonzentrationen kontinuierlich überwacht.

Wie die atd GmbH bei der biologischen Phosphorelimination unterstützt

Wir bieten umfassende Ingenieurleistungen für EBPR-Verfahren von der ersten Konzeption bis zur erfolgreichen Inbetriebnahme. Unsere langjährige Erfahrung in der Abwassertechnik ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen für kommunale und industrielle Anwendungen der biologischen Phosphorelimination.

Unsere konkreten Dienstleistungen umfassen:

  • verfahrenstechnische Planung und Dimensionierung von Bio-P-Anlagen
  • Optimierung bestehender Phosphatentfernungsanlagen
  • Prozessmodellierung und Leistungsbewertung biologischer Nährstoffelimination
  • Bauüberwachung und Inbetriebnahmebegleitung
  • Betriebsoptimierung und Troubleshooting bei Bio-P-Problemen
  • Integration von Konzepten zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm

Als herstellerunabhängiges Ingenieurbüro entwickeln wir technisch und wirtschaftlich optimale Lösungen für Ihre spezifischen Anforderungen. Unsere Expertise in der biologischen Abwasserbehandlung und die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 gewährleisten höchste Planungsqualität.

Kontaktieren Sie uns für eine fachkundige Beratung zu Ihrem Bio-P-Projekt – wir unterstützen Sie bei der nachhaltigen und effizienten Phosphorentfernung in Ihrer Abwasserbehandlungsanlage.

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