Welche LOD-Stufen gibt es bei BIM?

Josef Molitor ·
Architektonisches Querschnittsmodell einer Kläranlage mit Betonschalen und Rohrleitungen auf einem Ingenieurtisch.

Bei BIM gibt es in der Regel sechs LOD-Stufen: LOD 100, LOD 200, LOD 300, LOD 350, LOD 400 und LOD 500. Diese Stufen beschreiben, wie detailliert und zuverlässig die Informationen in einem BIM-Modell zu einem bestimmten Zeitpunkt sind. Je höher die Stufe, desto präziser und vollständiger sind Geometrie, Materialangaben und technische Daten der modellierten Bauteile. Die folgenden Abschnitte erklären, was jede Stufe konkret bedeutet und wie Sie die richtige Wahl für Ihr Projekt treffen.

Wie viele LOD-Stufen gibt es und was unterscheidet sie?

Es gibt sechs LOD-Stufen im Building Information Modeling: LOD 100 bis LOD 500. Das Kürzel LOD steht für Level of Development und beschreibt, wie weit die Informationen eines Modellelements entwickelt, also geometrisch und inhaltlich ausgearbeitet sind. Jede Stufe definiert verbindlich, welche Angaben ein Bauteil mindestens enthalten muss, damit es als verlässliche Planungsgrundlage gilt.

Der wesentliche Unterschied zwischen den Stufen liegt nicht nur in der visuellen Detailtiefe, sondern vor allem im Informationsgehalt. Ein Bauteil auf LOD 100 kann als einfacher Platzhalter dienen, während dasselbe Bauteil auf LOD 400 alle notwendigen Herstellerangaben, Einbaumaße und Ausführungsdetails enthält. Diese Abstufung erlaubt es Planungsteams, das Modell schrittweise zu entwickeln, ohne in frühen Phasen unnötige Detailarbeit zu leisten.

Die LOD-Stufen wurden ursprünglich durch das amerikanische AIA BIM Protocol definiert und sind heute international verbreitet. In Deutschland orientieren sich viele Auftraggeber und Planungsbüros an diesen Stufen, auch wenn nationale Normen wie die DIN EN ISO 19650 ergänzende Anforderungen stellen.

Was bedeutet LOD 100 bis LOD 300 in der frühen Planungsphase?

LOD 100, LOD 200 und LOD 300 decken die frühen Planungsphasen ab und beschreiben Modelle von der ersten Machbarkeitsstudie bis hin zum genehmigungsreifen Entwurf. In diesen Stufen wächst der Detailgrad schrittweise, während grundlegende Entscheidungen zu Geometrie, Funktion und Materialität getroffen werden.

LOD 100: Konzeptionelle Darstellung

Auf LOD 100 sind Bauteile lediglich als Masse, Fläche oder Volumen dargestellt. Genaue Abmessungen, Formen und Positionen sind noch nicht definiert. Diese Stufe eignet sich für erste Kostenschätzungen und grundlegende Machbarkeitsbetrachtungen, bei denen es vor allem um Größenordnungen geht.

LOD 200: Schematische Geometrie

LOD 200 fügt ungefähre Abmessungen, Formen und Positionen hinzu. Die Bauteile sind erkennbar und schematisch verortet, aber noch nicht maßhaltig ausgearbeitet. Diese Stufe unterstützt Vorplanungen und erste Koordinationsschritte zwischen den Fachplanern.

LOD 300: Definierte Geometrie

Auf LOD 300 sind Bauteile geometrisch präzise definiert: Maße, Form, Lage und Ausrichtung entsprechen dem tatsächlich geplanten Bauteil. Diese Stufe bildet häufig die Grundlage für Genehmigungsplanungen und koordinierte Fachmodelle. Mengenermittlungen und Ausschreibungsunterlagen lassen sich auf Basis von LOD 300 verlässlich erstellen.

Wofür werden LOD 350, LOD 400 und LOD 500 verwendet?

LOD 350, LOD 400 und LOD 500 kommen in den späten Planungs- und Ausführungsphasen sowie im Betrieb zum Einsatz. Sie liefern die Detailtiefe, die für Ausführungsplanung, Fertigung, Montage und schließlich die Dokumentation des tatsächlich gebauten Zustands erforderlich ist.

  • LOD 350 ergänzt LOD 300 um Schnittstelleninformationen zu angrenzenden Bauteilen. Es zeigt, wie Elemente miteinander verbunden werden, und ist besonders wichtig für die Koordination zwischen Gewerken vor der Ausführung.
  • LOD 400 enthält alle Angaben für die Fertigung und Montage: Herstellerspezifikationen, Einbautoleranzen, detaillierte Verbindungsmittel und Ausführungsdetails. Auf dieser Stufe arbeiten Ausführungsplaner und Fachunternehmen.
  • LOD 500 beschreibt den As-Built-Zustand, also das Bauwerk so, wie es tatsächlich errichtet wurde. Diese Stufe dient als Grundlage für den Gebäudebetrieb, die Instandhaltung und das Facility Management.

Was ist der Unterschied zwischen LOD und LOG bei BIM?

LOD und LOG sind verwandte, aber unterschiedliche Konzepte im BIM-Umfeld. LOD (Level of Development) beschreibt den Gesamtreifegrad eines Modellelements und umfasst sowohl geometrische als auch alphanumerische Informationen. LOG (Level of Geometry) hingegen bezieht sich ausschließlich auf den geometrischen Detailgrad eines Bauteils, also Form, Maße und räumliche Lage.

Ergänzend dazu wird häufig der Begriff LOI (Level of Information) verwendet, der den inhaltlichen Informationsgehalt beschreibt: Materialeigenschaften, technische Kennwerte, Herstellerangaben und ähnliche Attribute. In der deutschen Planungspraxis, die sich an der DIN EN ISO 19650 orientiert, wird oft zwischen geometrischen und alphanumerischen Anforderungen unterschieden, was inhaltlich der Trennung von LOG und LOI entspricht.

Für die Praxis bedeutet das: Ein Bauteil kann geometrisch sehr detailliert sein (hoher LOG), aber wenig inhaltliche Information enthalten (niedriger LOI), oder umgekehrt. Eine klare Festlegung beider Aspekte im BIM-Abwicklungsplan ist daher entscheidend.

Welche LOD-Stufe ist für welches Projekt die richtige?

Die passende LOD-Stufe hängt vom Projekttyp, der Planungsphase und dem konkreten Verwendungszweck des Modells ab. Es gibt keine universell richtige Stufe, sondern eine projektspezifische Abstimmung zwischen Auftraggeber und Planungsteam.

Als Orientierung gilt:

  • Für Machbarkeitsstudien und Vorentwürfe reichen LOD 100 bis LOD 200.
  • Für Entwurfs- und Genehmigungsplanungen ist LOD 300 der Standard.
  • Für die Koordination vor der Ausführung empfiehlt sich LOD 350, um Kollisionen zwischen Gewerken frühzeitig zu erkennen.
  • Für die Ausführungs- und Werkplanung wird LOD 400 benötigt.
  • Für Betrieb und Facility Management ist LOD 500 der Zielzustand.

Bei Infrastrukturprojekten, wie etwa in der Stadtentwässerung oder der Abwasserwirtschaft, werden die LOD-Anforderungen häufig bauteilbezogen festgelegt. Nicht jedes Element eines Modells muss dieselbe Stufe erreichen; eine differenzierte Betrachtung spart Ressourcen und konzentriert den Aufwand dort, wo er tatsächlich gebraucht wird.

Wie werden LOD-Anforderungen im BIM-Abwicklungsplan festgelegt?

LOD-Anforderungen werden im BIM-Abwicklungsplan (BAP) verbindlich definiert. Der BAP ist das zentrale Steuerungsdokument eines BIM-Projekts und legt fest, welche Modellelemente zu welchem Zeitpunkt welche LOD-Stufe erreichen müssen. Er wird zu Projektbeginn zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer abgestimmt und während des Projekts fortgeschrieben.

Im BAP werden typischerweise folgende Aspekte geregelt:

  1. Bauteilmatrix: Eine tabellarische Übersicht, die jedem Modellelement die geforderte LOD-Stufe je Planungsphase zuordnet.
  2. Meilensteine: Zu welchen Zeitpunkten welche LOD-Stufen erreicht sein müssen, etwa zur Genehmigungsplanung oder vor Baubeginn.
  3. Verantwortlichkeiten: Welches Fachplanungsbüro welche Modellteile auf welcher LOD-Stufe liefert.
  4. Prüf- und Freigabeprozesse: Wie die Einhaltung der LOD-Anforderungen kontrolliert wird.

Eine sorgfältige Festlegung der LOD-Anforderungen im BAP verhindert Missverständnisse, reduziert Nacharbeiten und stellt sicher, dass alle Beteiligten auf demselben Informationsstand arbeiten. Gerade bei komplexen Infrastrukturprojekten, bei denen viele Fachplaner zusammenarbeiten, ist diese Klarheit ein wesentlicher Faktor für den Projekterfolg. Weitere Einblicke in die Planungspraxis finden Sie in unserem Überblick über unsere Arbeitsbereiche.

Wie atd GmbH Sie bei der BIM-Planung unterstützt

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