Arbeiter in Schutzausrüstung prüft Biogasanlage mit Fermenter-Tank und brennendem Gasfackel im Hintergrund

Was ist Klärgas und wie wird es genutzt?

Klärgas ist ein brennbares Gas, das bei der anaeroben Vergärung von Klärschlamm in Faultürmen von Kläranlagen entsteht. Es besteht hauptsächlich aus Methan (50–70%) und Kohlendioxid (30–40%) und wird zur Energiegewinnung genutzt. Die Verwertung von Klärgas trägt zu einer nachhaltigen Energieversorgung bei und reduziert gleichzeitig die Entsorgungskosten für Klärschlamm.

Was ist Klärgas und wie unterscheidet es sich von normalem Biogas?

Klärgas entsteht durch die anaerobe Vergärung von Klärschlamm in kommunalen Kläranlagen. Es ist eine spezielle Form von Biogas, die sich in Zusammensetzung und Entstehungsprozess von landwirtschaftlichem Biogas unterscheidet.

Der Entstehungsprozess beginnt in den Faultürmen der Kläranlagen, wo organische Bestandteile des Klärschlamms ohne Sauerstoff abgebaut werden. Dabei wandeln Bakterien die organischen Verbindungen in gasförmige Produkte um. Die typische Zusammensetzung von Klärgas umfasst:

  • Methan (CH₄): 50–70%
  • Kohlendioxid (CO₂): 30–40%
  • Schwefelwasserstoff (H₂S): 1–3%
  • Spurengase wie Ammoniak und Stickstoff

Im Vergleich zu landwirtschaftlichem Biogas weist Klärgas einen niedrigeren Methangehalt auf. Während Biogas aus Energiepflanzen oft 55–75% Methan enthält, liegt der Methangehalt bei Klärgas meist zwischen 50–65%. Der höhere Schwefelwasserstoffanteil in Klärgas erfordert zudem spezielle Aufbereitungsverfahren vor der energetischen Nutzung.

Wie entsteht Klärgas in Kläranlagen und welche Bedingungen sind nötig?

Die Klärgasproduktion erfolgt durch einen mehrstufigen anaeroben Abbauprozess im Faulturm. Dieser biologische Prozess benötigt spezifische Bedingungen, um optimal zu funktionieren.

Der anaerobe Abbau läuft in vier Phasen ab: Hydrolyse, Acidogenese, Acetogenese und Methanogenese. In der Hydrolysephase werden komplexe organische Verbindungen aufgespalten. Anschließend entstehen organische Säuren, die zu Essigsäure umgewandelt und schließlich zu Methan und Kohlendioxid vergoren werden.

Entscheidende Betriebsparameter für die Gasproduktion sind:

  • Temperatur: 35–38°C (mesophiler Bereich) oder 50–55°C (thermophiler Bereich)
  • pH-Wert: 6,8–7,2 für optimale Methanbildung
  • Verweilzeit: 15–25 Tage je nach Temperatur und Substrat
  • Organische Raumbelastung: 1–3 kg organische Trockensubstanz pro m³ und Tag

Die Gasausbeute hängt maßgeblich von der Qualität des Klärschlamms ab. Höhere Anteile an organischen Substanzen führen zu größeren Gasmengen. Störende Faktoren wie Schwermetalle oder Desinfektionsmittel können die Bakterientätigkeit hemmen und die Gasproduktion reduzieren.

Welche Nutzungsmöglichkeiten gibt es für Klärgas?

Klärgas bietet verschiedene Verwertungswege, die von der direkten thermischen Nutzung bis zur Einspeisung ins Erdgasnetz reichen. Die Wahl der optimalen Nutzung hängt von der verfügbaren Gasmenge, den örtlichen Gegebenheiten und wirtschaftlichen Faktoren ab.

Die häufigste Verwertungsform ist die Kraft-Wärme-Kopplung durch Blockheizkraftwerke (BHKW). Diese erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme, wodurch Wirkungsgrade von bis zu 85% erreicht werden. Der Strom kann ins öffentliche Netz eingespeist oder für den Eigenbedarf der Kläranlage genutzt werden.

Weitere Nutzungsmöglichkeiten umfassen:

  • Direkte thermische Nutzung für Heizzwecke in der Kläranlage
  • Aufbereitung zu Biomethan und Einspeisung ins Erdgasnetz
  • Verwendung als Kraftstoff für Fahrzeuge nach entsprechender Aufbereitung
  • Brennstoffzellen-Technologie für hocheffiziente Stromerzeugung

Wirtschaftlich betrachtet amortisieren sich Klärgasanlagen meist innerhalb von 8–12 Jahren. Die Erlöse stammen aus Stromverkauf, eingesparten Energiekosten und vermiedenen Entsorgungsgebühren. Zusätzlich können Förderungen und Vergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz die Rentabilität verbessern.

Wie wird Klärgas aufbereitet und für verschiedene Zwecke vorbereitet?

Die Klärgasaufbereitung ist notwendig, um das Rohgas für verschiedene Nutzungen zu konditionieren. Je nach Verwendungszweck sind unterschiedliche Reinigungsgrade erforderlich.

Die Grundaufbereitung umfasst die Entfernung von Schwefelwasserstoff, da dieser korrosiv wirkt und bei der Verbrennung schädliche Emissionen verursacht. Gängige Entschwefelungsverfahren sind die biologische Entschwefelung, Aktivkohlefilter oder die Zugabe von Eisensalzen.

Für die BHKW-Nutzung genügt meist eine einfache Aufbereitung:

  • Kondensatabscheidung zur Trocknung
  • Entschwefelung auf unter 1000 ppm H₂S
  • Partikelfilterung
  • Druckregulierung

Für die Einspeisung ins Erdgasnetz oder als Kraftstoff sind höhere Qualitätsanforderungen zu erfüllen. Die CO₂-Abtrennung erfolgt durch Druckwasserwäsche, Aminwäsche oder Membranverfahren. Das aufbereitete Biomethan muss einen Methangehalt von mindestens 96% aufweisen und frei von Schwefelverbindungen sein.

Moderne Aufbereitungsanlagen arbeiten vollautomatisch und überwachen kontinuierlich die Gasqualität. Die Investitionskosten variieren je nach Aufbereitungsgrad zwischen 200.000 und 2 Millionen Euro, abhängig von der Anlagengröße und den gewünschten Reinheitsgraden.

Wie unterstützt die atd GmbH bei Klärgas-Projekten?

Als spezialisiertes Ingenieurbüro bieten wir umfassende Unterstützung bei der Planung, Realisierung und Optimierung von Klärgasanlagen. Unsere langjährige Erfahrung in der Abwasserwirtschaft und Biogastechnik ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen für jedes Projekt.

Unsere Leistungen im Bereich Klärgas und Biogastechnik umfassen:

  • Potenzialanalysen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen für Klärgasprojekte
  • verfahrenstechnische Planung von Faultürmen und Gasaufbereitungsanlagen
  • Dimensionierung und Auslegung von BHKW-Anlagen
  • Genehmigungsplanung und Behördenkommunikation
  • Bauüberwachung und Inbetriebnahmebegleitung
  • Optimierung bestehender Biogasanlagen zur Effizienzsteigerung
  • Schulungen für Anlagenbetreiber und technisches Personal

Durch unsere herstellerunabhängige Beratung entwickeln wir objektive Lösungen, die optimal auf Ihre spezifischen Anforderungen zugeschnitten sind. Unsere Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 und die Mitgliedschaft in Fachverbänden garantieren höchste Qualitätsstandards.

Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung zu Ihrem Klärgasprojekt. Gemeinsam entwickeln wir eine nachhaltige und wirtschaftliche Lösung für Ihre Energiegewinnung aus Abwasser.

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