Wie funktioniert eine Mulden-Rigolen-Versickerung?

Josef Molitor ·
Querschnitt eines Betonversickerungsbeckens mit Kiesschichten, Regenwasser sickert durch durchlässige Struktur in dunklen Boden

Eine Mulden-Rigolen-Versickerung ist ein dezentrales Regenwassermanagement-System, das aus einer oberirdischen Mulde und einer unterirdischen Rigole besteht. Regenwasser sammelt sich zunächst in der Mulde, wird vorgefiltert und versickert dann über die mit Kies gefüllte Rigole kontrolliert ins Grundwasser. Dieses System kombiniert Zwischenspeicherung, Reinigung und natürliche Versickerung für eine nachhaltige Niederschlagswasserbeseitigung.

Überlastete Kanalnetze verursachen kostspielige Überflutungsschäden

Wenn Regenwasser ungefiltert in die Kanalisation eingeleitet wird, führt dies bei Starkregen schnell zur Überlastung der Abwassersysteme. Die Folgen sind Rückstau in Kellern, überflutete Straßen und teure Notfallmaßnahmen der Kommunen. Zusätzlich entstehen hohe Abwassergebühren für die Niederschlagswassereinleitung. Eine dezentrale Stadtentwässerung mit Versickerungsanlagen entlastet die Kanalnetze erheblich und reduziert sowohl Überflutungsrisiken als auch laufende Kosten.

Fehlende Grundwasserneubildung gefährdet die lokale Wasserversorgung

Versiegelte Flächen verhindern die natürliche Grundwasserneubildung und verschärfen den Wassermangel in trockenen Perioden. Gleichzeitig fehlt Kommunen und Unternehmen oft das technische Know-how für eine fachgerechte Planung von Versickerungsanlagen. Professionelle Entwässerungsplanung berücksichtigt Bodenverhältnisse, Grundwasserstände und hydraulische Anforderungen, um eine langfristig funktionierende Regenwasserbewirtschaftung zu gewährleisten.

Was ist eine Mulden-Rigolen-Versickerung?

Eine Mulden-Rigolen-Versickerung ist ein zweistufiges System zur dezentralen Regenwasserbehandlung. Sie besteht aus einer oberirdischen, begrünten Mulde zur Zwischenspeicherung und einer darunter liegenden Rigole aus Kies oder Schotter zur kontrollierten Versickerung ins Erdreich.

Das System funktioniert nach dem Prinzip der natürlichen Wasserkreislaufprozesse: Regenwasser fließt von befestigten Flächen in die Mulde, wo es temporär gespeichert wird. Durch die Vegetation und den Oberboden erfolgt eine mechanische und biologische Vorreinigung. Anschließend versickert das Wasser über die hochdurchlässige Rigole kontrolliert ins Grundwasser.

Mulden-Rigolen-Systeme eignen sich besonders für Wohngebiete, Gewerbegebiete und Verkehrsflächen mit geringer bis mittlerer Verschmutzung. Sie stellen eine kostengünstige Alternative zur konventionellen Kanalisation dar und erfüllen gleichzeitig ökologische Anforderungen der nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung.

Wie funktioniert das Prinzip der Mulden-Rigolen-Versickerung?

Das System arbeitet in drei aufeinanderfolgenden Stufen: Sammlung in der Mulde, Vorreinigung durch Vegetation und Boden sowie kontrollierte Versickerung über die Rigole. Jede Stufe übernimmt spezifische Funktionen für eine effektive Regenwasserbehandlung.

In der ersten Stufe sammelt sich das Regenwasser in der oberirdischen Mulde. Diese fungiert als Pufferspeicher und reduziert Spitzenabflüsse bei Starkregen. Die Mulde ist meist 20 bis 40 Zentimeter tief und mit einer speziellen Vegetationsmischung bepflanzt, die sowohl Trockenheit als auch temporäre Überflutung verträgt.

Die zweite Stufe umfasst die biologische und mechanische Reinigung. Während das Wasser langsam durch die Vegetationsschicht und den oberen Bodenhorizont versickert, werden Schadstoffe zurückgehalten und abgebaut. Schwebstoffe setzen sich ab, während Mikroorganismen organische Verbindungen zersetzen.

In der dritten Stufe erfolgt die kontrollierte Versickerung über die Rigole. Diese besteht aus einem definierten Hohlraumvolumen mit Kies oder Schotter der Korngröße 16/32 oder 32/64 Millimeter. Die Rigole ist meist 0,5 bis 1,5 Meter tief und ermöglicht eine gleichmäßige Verteilung des Wassers im Untergrund.

Welche Vorteile bietet eine Mulden-Rigolen-Versickerung?

Mulden-Rigolen-Systeme bieten ökologische, ökonomische und technische Vorteile. Sie fördern die natürliche Grundwasserneubildung, reduzieren Abwassergebühren und entlasten kommunale Kanalnetze bei gleichzeitig geringen Betriebskosten.

Ökologisch unterstützen diese Anlagen den natürlichen Wasserkreislauf durch lokale Grundwasserneubildung und Verdunstung. Die Vegetation schafft zusätzliche Grünflächen, verbessert das Mikroklima und bietet Lebensraum für Insekten und Kleintiere. Gleichzeitig wird die Gewässerbelastung reduziert, da weniger Regenwasser in die Kanalisation eingeleitet wird.

Ökonomisch entstehen deutliche Kosteneinsparungen gegenüber konventioneller Kanalisation. Die Investitionskosten liegen meist 30 bis 50 Prozent unter denen für Rohrleitungen und Regenbecken. Zusätzlich entfallen laufende Abwassergebühren für das versickerte Regenwasser. Die Wartungskosten beschränken sich auf gelegentliche Pflege der Vegetation und Kontrolle der Funktionsfähigkeit.

Technisch bieten Mulden-Rigolen-Systeme hohe Betriebssicherheit und Flexibilität. Sie funktionieren ohne externe Energiezufuhr und sind weniger anfällig für Störungen als mechanische Anlagen. Bei Bedarf lassen sich die Systeme erweitern oder an veränderte Randbedingungen anpassen.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Mulden-Rigolen-Versickerung erfüllt sein?

Eine erfolgreiche Mulden-Rigolen-Versickerung erfordert durchlässige Böden mit einem Durchlässigkeitsbeiwert zwischen 10⁻⁶ und 10⁻³ m/s, ausreichend Abstand zum Grundwasser und geeignete Flächenverfügbarkeit. Zusätzlich müssen wasserrechtliche Genehmigungen vorliegen.

Die Bodenverhältnisse sind entscheidend für die Funktionsfähigkeit. Lehmige Sande, sandige Lehme und kiesige Böden eignen sich gut, während tonige oder felsige Böden ungeeignet sind. Der Grundwasserabstand sollte mindestens einen Meter unter der Rigolensohle betragen, um eine ausreichende Sickerleistung zu gewährleisten.

Topografische Faktoren beeinflussen die Anlagengestaltung erheblich. Hanglagen erfordern besondere Maßnahmen zur Erosionsvermeidung, während ebene Flächen optimale Bedingungen bieten. Die verfügbare Fläche muss etwa 3 bis 8 Prozent der angeschlossenen befestigten Fläche betragen.

Rechtlich ist eine wasserrechtliche Erlaubnis nach dem Wasserhaushaltsgesetz erforderlich. Diese beinhaltet Auflagen zum Gewässerschutz und zur regelmäßigen Kontrolle. Bei größeren Anlagen können zusätzlich baurechtliche Genehmigungen notwendig sein.

Wie wird eine Mulden-Rigolen-Versickerung dimensioniert und geplant?

Die Dimensionierung erfolgt nach DWA-Arbeitsblatt A 138 basierend auf Niederschlagsdaten, angeschlossener Fläche und Bodendurchlässigkeit. Dabei werden Muldenvolumen und Rigolengröße so berechnet, dass auch Starkregen sicher bewältigt wird.

Grundlage der Berechnung sind lokale Niederschlagsdaten für verschiedene Wiederkehrzeiten. Meist wird ein 5-jährliches Regenereignis als Bemessungsgrundlage verwendet, während 30-jährliche Ereignisse über Notüberläufe abgeleitet werden. Die angeschlossene befestigte Fläche und deren Abflussbeiwert bestimmen die anfallende Wassermenge.

Die hydraulische Dimensionierung berücksichtigt die Sickerleistung des Bodens und das erforderliche Speichervolumen. Die Rigole wird so bemessen, dass sie bei Bemessungsregen innerhalb von 24 bis 72 Stunden wieder entleert ist. Typische Rigolentiefen liegen zwischen 0,5 und 1,5 Metern bei Speicherraten von 30 bis 35 Prozent.

Bei der Detailplanung werden Zulaufgestaltung, Überlaufregelungen und Wartungszugänge festgelegt. Die Muldengestaltung erfolgt mit flachen Böschungen von 1:3 bis 1:5 für eine sichere Begehbarkeit und optimale Vegetationsentwicklung. Professionelle Planung berücksichtigt auch langfristige Aspekte wie Sedimentablagerungen und Pflegeanforderungen.

Wie atd GmbH bei der Mulden-Rigolen-Versickerung unterstützt

Wir bieten Ihnen umfassende Beratung und Planung für Mulden-Rigolen-Versickerungsanlagen von der ersten Machbarkeitsprüfung bis zur Bauüberwachung. Unser Leistungsspektrum umfasst:

  • Standortbewertung und Bodengutachten für optimale Anlagenauslegung
  • Hydraulische Dimensionierung nach aktuellen technischen Regelwerken
  • Genehmigungsplanung und Behördenabstimmung
  • Ausführungsplanung mit detaillierter Konstruktion und Materialspezifikation
  • Bauüberwachung und Abnahmeprüfungen für langfristige Funktionssicherheit

Als erfahrenes Planungsbüro entwickeln wir für jeden Standort die technisch und wirtschaftlich optimale Lösung. Unsere herstellerunabhängige Beratung gewährleistet objektive Empfehlungen, die ausschließlich Ihren Anforderungen entsprechen. Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Erstberatung zu Ihrem Regenwassermanagement-Projekt.

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