Die Flut im Sommer 2021 hat die Abwasserinfrastruktur an der Unteren Ahr stark beschädigt. Gerade war der fünfte Jahrestag. Und es gibt immer noch viel zu tun.
Bei den Kläranlagen hat es die Kläranlagen in Sinzig und Mayschoß besonders getroffen. Die Kläranlage Mayschoß wurde stillgelegt. Ein Provisorium ist inzwischen außer Betrieb und das Einzugsgebiet ist jetzt schon an die Kläranlage „Untere Ahr“ angebunden worden.
Die Kläranlage „Untere Ahr“ in Sinzig wurde nach der Flutkatastrophe innerhalb von wenigen Monaten wieder in Betrieb genommen und fungiert aktuell als ein großes „Provisorium“, welches mit hohem betrieblichen Aufwand am Leben erhalten wird. Die Planung einer neuen Kläranlage in räumlicher Nähe an einem hochwassersicheren Standort ist in vollem Gange. Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren.
Der Neubau ermöglicht eine moderne und zukunftsorientierte Auslegung der Abwasserbehandlung. Gebaut wird auf einem neuen Standort in Remagen am Rande des Ortsteiles Kripp. Dieser liegt außerhalb des möglichen Überflutungsgebiets von Rhein und Ahr und schafft damit die Voraussetzungen für einen sicheren, von Hochwasser unbeeinflussten Betrieb.
Die Projektbearbeitung erfolgt in einem Team aus mehreren Unternehmen. Kern ist die Arbeitsgemeinschaft der atd GmbH mit den Hydro-Ingenieuren aus Düsseldorf. Die Federführung für das Projekt liegt bei der atd GmbH. Inhaltlich übernimmt die atd GmbH neben der Projektleitung die Bearbeitung der biologischen Stufe und der Schlammbehandlung sowie wesentliche Teile der EMSR-Technik. Die Hydro-Ingenieure haben die stellvertretende Projektleitung und zeichnen inhaltlich für die die mechanische Abwasserbehandlung (Rechen, Sandfang und Vorklärung) sowie die 4. Reinigungsstufe verantwortlich. Als Nachunternehmer sind weitere Büros für das Projekt tätig. Die ATEMIS GmbH übernimmt die Planung der Prozesswasserbehandlung und des gesamten Gassystems einschließlich einer BHKW-Anlage. Die ac energie Engineering GmbH bearbeitet weitere Anteile der EMSR-Technik sowie die Automatisierung. Das Ingenieurbüro Berthold Becker ist für die Verkehrsanlagen und Freianlagen am alten und neuen Standort sowie die verbindenden Rohrleitungs- und Medientrassen verantwortlich. Das Team von Max & Moritz Architektur ist für die Planung und Gestaltung der Betriebsgebäude und des gesamten Fassadenkonzeptes der Technikgebäude zuständig. Und das Büro INCO aus Aachen beschäftigt sich mit der gesamten technischen Gebäudeausstattung (TGA).
Die ersten Vorbereitungen für den Bau der neuen Anlage laufen schon. Ein Radweg und eine Gasleitung wurden umgelegt und die Zufahrt zum neuen Gelände wird aktuell errichtet. (siehe PM und Bild). Der Hauptbaubeginn ist für 2027 geplant.
Die neue Kläranlage hat Vorbildcharakter für die Abwasserreinigung in Rheinland-Pfalz. Die Maßnahme wird durch mehrere Fördermaßnahmen finanziell unterstützt. Wesentlich sind dabei Mittel aus dem Wiederaufbaufonds. Im Jahr 2024 gab es den ersten Förderbescheid in Höhe von 20 Millionen Euro. 2025 folgte ein weiterer Förderbescheid von 142,68 Millionen Euro. https://mlwuf.rlp.de/service/pressemitteilungen/detail/katrin-eder-klaeranlage-in-remagen-setzt-meilensteine-im-wiederaufbau Insgesamt ergibt sich damit aktuell eine Förderung von 162,68 Millionen Euro, was das Projekt zu der mit Abstand größten Einzelfördermaßnahme in dem Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Flutkatastrophe macht.
Der Abwasserweg beinhaltet eine klassische mechanische Stufe (Rechen, Sandfang, Vorklärung als ersten Schritt. Es folgt die biologische Stufe, die mit dem Einsatz einer sehr flexiblen und volumensparenden 4er-Kaskade vorgesehen ist. Hier wird zudem eine Strategie zur Lachgasminimierung durch den Einsatz entsprechender Messtechnik und teils KI-basierter Regelstrategien implementiert werden. Die letzte Stufe ist der Neubau einer 4. Reinigungsstufe bestehend aus einer Kombination aus Ozonung und Aktivkohlefiltern. Hierdurch wird eine sehr weitgehende Elimination von Mikroschadstoffen erzielt. Durch die Kombination werden zum einen die Mikroschadstoffe sehr weitgehend erfasst und zum anderen werden die Ressourcen geschont, da die erforderlichen Ozonmengen gering gehalten und die Aktivkohlestandzeiten gesteigert werden können.
Das Konzept der vierten Reinigungsstufe sichert so eine hohe Ablaufqualität bei minimiertem Ressourceneinsatz und stellt einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz dar.
Die Schlammbehandlung baut auf einer innovativ gestalteten Faulungsanlage auf, die Im Hinblick auf einen möglichst hohen Gasertrag und eine Minimierung von Restgasemissionen optimiert wird. So wird z. B. eine Hochleistungsultraschalldesintegration und ein geschlossenes Faulbehältersystem mit nachgeschalteter gezielter Restentgasung eingesetzt.
Bei der Planung stehen weiterhin Nachhaltigkeit und ein möglichst energieeffizienter Betrieb im Vordergrund. Eine Wärmeautarkie und eine bilanzielle Stromautarkie werden durch den Einsatz von Blockheizkraftwerken, PV-Anlagen, großvolumigen Gasspeicher und Wärmespeicher sowie einer Batterieanlage erreicht.
Insgesamt steht im Fokus der Planung, dass die Umwelt so wenig wie möglich durch Geruch, Lärm, Schadstoffe und CO2-Emissionen belastet wird. Weiterhin wird eine hochwertige landschaftsplanerische Einbindung der erforderlichen Gebäude- und Becken vorgesehen. Am alten Standort verbleibt nur eine Grobreinigung und das Zulaufpumpwerk. Das restliche alte Anlagengelände wird nach der Inbetriebnahme der neuen Anlage zurückgebaut und als Naturschutz- und Retentionsraum genutzt.
Die neue Kläranlage soll auch für die Öffentlichkeit sichtbar und erlebbar werden. Um das Gelände wird es Rad- und Fußwege geben, welche mit Infotafeln und Sitzbänken ausgestattet werden. Ein Highlight wird eine Besucherterrasse auf einem Nebendach des Betriebsgebäudes sein, von der die gesamte Kläranlage überblickt werden kann.
Mit der Realisierung der vorliegenden Planung wird ein Projekt mit Vorbildcharakter umgesetzt.
Wir freuen uns, dieses Projekt durchzuführen und damit einen Beitrag zur Wiederherstellung der Infrastruktur im Ahrtal leisten zu können.